Die Tarifbindung braucht mehr tarifliche Flexibilität

Eine aktuelle Auswertung des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) vom 22. Mai 2019 zeigt, dass die Branchentarifbindung stark rückläufig ist.

Diese Entwicklung macht deutlich, dass es dringend notwendig ist, moderne Tarifverträge mit flexiblen Regelungen zu schaffen, die differenzierte und passgenaue Lösungen für die Betriebe ermöglichen. Nur dadurch kann die Tarifpolitik einen sicheren Rahmen mit Chancen für Arbeitgeber und Beschäftigte gleichermaßen bieten.

Aus der Auswertung des IAB ergibt sich, dass im Jahr 1996 für 70 Prozent der Beschäftigten in Westdeutschland und 56 Prozent in Ostdeutschland Branchentarifverträge galten. Im Jahr 2018 arbeiteten aber nur noch rund 49 Prozent der Beschäftigten in Westdeutschland und etwa 35 Prozent in Ostdeutschland in Betrieben, die durch Branchentarifverträge tarifgebunden waren.

Für 8 Prozent der westdeutschen und 11 Prozent der ostdeutschen Beschäftigten galten in 2018 Firmentarifverträge.

Hingegen gab es in 2018 für 44 Prozent der Beschäftigten in Westdeutschland und 55 Prozent der Beschäftigten in Ostdeutschland keinen Tarifvertrag. Hier konnten aber rund 50 Prozent dieser Beschäftigten in Westdeutschland indirekt von tarifvertraglichen Regelungen profitieren, da deren Betriebe sich an Branchentarifverträgen orientierten. In Ostdeutschland waren es 44 Prozent der Beschäftigten in nicht tarifgebundenen Betrieben, die indirekt von der Wirkung eines Tarifvertrages profitierten. Dabei ist zu beachten, dass sich jeweils nur ein Teil dieser Betriebe in allen relevanten Arbeitsbedingungen am Branchentarifvertrag anlehnte.

Die aktuellen Zahlen des IAB finden Sie hier: Tarifbindung 2018