Baden-württembergische Wirtschaft warnt vor unkalkulierbaren Risiken eines ‚No-Deal-Brexits‘

Erstellt am: 15.10.2019

Wolf und Dick: „Abrupte Bremswirkung würde exportorientierte Unternehmen im Südwesten besonders hart treffen“.

Die baden-württembergische Wirtschaft warnt nochmals eindringlich vor den schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen eines Austritts des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union ohne eine in einem Austrittsabkommen vereinbarte Übergangsfrist. „Jetzt hängt alles davon ab, ob sich die EU und Großbritannien in den nun intensivierten Verhandlungen auf Basis des Ende vergangener Woche nachgebesserten britischen Angebots noch einigen können“, erklärten das Geschäftsführende Vorstandsmitglied des Landesverbands der Baden-Württembergischen Industrie (LVI), Wolfgang Wolf, und der Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeber Baden-Württemberg, Peer-Michael Dick, am Dienstag in Stuttgart: „Allen Verantwortlichen muss bewusst sein, was für die Wirtschaft auf beiden Seiten des Kanals auf dem Spiel steht.“

Denn falls es nicht bald zu einer Einigung komme, drohe am 31. Oktober der ‚No-Deal-Brexit‘ – mit unkalkulierbaren Folgen, warnten die beiden Spitzenvertreter der baden-württembergischen Wirtschaft: „Die abrupte Bremswirkung eines Austritts ohne Übergangsphase auf Außenhandel und wechselseitige Investitionen würde auf EU-Seite insbesondere die exportorientierte Wirtschaft Deutschlands und Baden-Württembergs treffen. Großbritannien war 2018 immerhin noch der sechstgrößte Absatzmarkt für baden-württembergische Unternehmen.“

Nach einer Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) würde ein ungeordneter Brexit mehr als 100.000 Arbeitsplätze in Deutschland gefährden. Die negativen Beschäftigungseffekte träten insbesondere an den Automobilstandorten zutage. Denn sollte es zu keinem Übergangsabkommen kommen, würde das Vereinigte Königreich mit dem EU-Austritt am 31. Oktober sofort auf WTO-Regeln zurückfallen. Der WTO-Zollsatz auf Autos beträgt derzeit 10 Prozent. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) schätzt, dass die deutsche Autoindustrie Zölle in Höhe von 2 Milliarden Euro stemmen müsste. Langfristig könnte der Handel zwischen der EU und Großbritannien laut IW um bis zur Hälfte schrumpfen.

Die heimischen Unternehmen würden im Falle eines No-Deal-Brexits aber nicht nur über Nacht mit Zöllen und erheblicher Zollbürokratie belastet. „Durch die Verzögerungen an den Häfen aufgrund der dann notwendigen Zollabfertigungen würden auch sorgfältig abgestimmte Lieferketten zerstört“, erklärten Wolf und Dick. Sie erinnerten daran, dass die Industrie heute größtenteils ohne Lagerhaltung arbeite. Zulieferer stellten Teile ‚just in time‘ bereit, die dann nach Ankunft verarbeitet würden: „Selbst wenn sich die Abfertigung im Hafen von Dover nur um zwei Minuten pro Lkw verlängern würde, hätte dies nach Angaben des Hafenbetreibers Staus von rund 30 Kilometern zur Folge.“

So weit dürfe man es nicht kommen lassen, mahnten die beiden Wirtschaftsvertreter: „Wir setzen darauf, dass sich beide Verhandlungsdelegationen des Ernstes der Lage bewusst sind und einen No-Deal-Brexit noch in letzter Sekunde zu verhindern wissen – unter der von der EU bereits erfreulich klar gesetzten Prämisse, dass ein Abkommen die Gemeinschaft nicht generell benachteiligen dürfe.“ Dennoch müssten die Unternehmen aber weiterhin auf das Worst-Case-Szenario vorbereitet sein, unterstrichen Wolf und Dick.

 

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