Arbeitgeber Baden-Württemberg fordern nach Evaluation des Bildungszeitgesetzes dessen zügige Novellierung

Erstellt am: 03/14/2019

Dick: „Stärkung betrieblicher Weiterbildung im Rahmen des Gesetzes könnte echten gesellschaftlichen Nutzen erzeugen“

Die Arbeitgeberverbände in Baden-Württemberg haben die Landesregierung dazu aufgefordert, die richtigen Schlüsse aus der Evaluation des Bildungszeitgesetzes zu ziehen und das Gesetz jetzt dringend zu novellieren. „Die Ergebnisse zeigen, dass das Gesetz in seiner bisherigen Ausgestaltungen weitgehend an den Weiterbildungserfordernissen der Betriebe vorbeizielt“, sagte Peer-Michael Dick, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeber Baden-Württemberg, am Donnerstag in Stuttgart: „Wenn es überhaupt eine sinnvolle Wirkung erzielen soll, müssen jetzt betriebliche Weiterbildungsmöglichkeiten im Rahmen dieses Gesetzes gestärkt und zugeschärft werden.“

Dick verwies auf die gesellschaftlichen Transformationsprozesse wie die Digitalisierung, aber auch industrielle Herausforderungen wie den Wandel der Antriebssysteme in der Automobilindustrie: „Die Unternehmen und ihre Beschäftigten stehen in den nächsten Jahren vor gewaltigen Herausforderungen, diese für sich verändernde Anforderungen zu qualifizieren. Sie unternehmen schon heute enorme Anstrengungen in der Weiterbildung, um diesen Wandel zu gestalten. Wenn das Bildungszeitgesetz (BzG) kompatibel mit diesen Anstrengungen gemacht wird, könnte ein echter gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Nutzen daraus entstehen.“

Die Arbeitgeberverbände im Land sehen im Qualifizierungschancengesetz eine Blaupause für die Novellierung des BzG. „Hier hat der Bund vorgemacht, wie die betriebliche Weiterbildung gestärkt werden kann“, sagte Dick. Die Arbeitgeber Baden-Württemberg schlagen vor, dass betriebliche Weiterbildung, die grundsätzlich nicht nur im Betrieb, sondern auf dem Arbeitsmarkt nutzbar ist, in stärkerem Maße als bisher auf den Bildungsurlaub angerechnet werden kann – auch dann, wenn der Anstoß vom Unternehmen ausgeht. „So kann dann das BZG unseren Unternehmen und ihren Belegschaften helfen, die digitale Transformation erfolgreich zu gestalten“, so Dick.

Weiterhin sehr kritisch sehen die Arbeitgeber hingegen die politische Weiterbildung im Rahmen des BzG. „Die Betriebe, die ja für die Freistellung bezahlen, haben erkennbar keinen Nutzen davon, und der gesellschaftliche Nutzen bleibt eine nicht belegte Behauptung“, sagte Dick. Politische Bildung sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und keine von Unternehmen, das Bildungssystem mit seinen Schulen und Hochschulen sei dafür der richtige Ort – und nicht oftmals fragwürdige Inhalte und Formate, die ohne Qualitätssicherung angeboten werden. „Die Betriebe können hier nicht als Reparaturbetrieb für etwaige Versäumnisse im Bildungssystem in Haftung genommen haben, im BZG hat die politische Weiterbildung daher nichts verloren.“