Dick: „Zusätzliche Einnahmen können Hochschulen langfristig einen Qualitätsvorsprung verschaffen“

Erstellt am: 14.02.2017

Zum Beschluss des Kabinetts der Landesregierung von Baden-Württemberg, Gebühren für internationale Studierende und für das Zweitstudium einzuführen, erklärt Peer-Michael Dick, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeber Baden-Württemberg:

„Wir begrüßen die geplante Einführung. Wir erwarten dabei keinen dauerhaften Abschreckungseffekt, da die Studiengebühren im internationalen Vergleich sehr moderat gehalten sind und im Vergleich mit den sonstigen Kosten eines Auslandsstudienaufenthaltes nicht übermäßig ins Gewicht fallen. Zudem kommen viele Studierende aus Ländern, in denen ihr Studium gebührenpflichtig ist. Auch sollen die Gebühren für Nicht-EU-Ausländer sozialverträglich erhoben werden. Vielleicht wird anfänglich ein Teil der Bewerber in andere Bundesländer abwandern, solange diese auf entsprechende Studiengebühren verzichten. Aber diesen Ausweicheffekt halten wir für übersichtlich. Weiter steht zu erwarten, dass die zusätzlichen Einnahmen den baden-württembergischen Hochschulen einen Qualitätsvorsprung verschaffen, der im Bildungswettbewerb langfristig ein Plus sein wird. Denn ein Teil der erwarteten Einnahmen soll direkt bei den Hochschulen verbleiben, um dort die internationalen Studierenden besser betreuen und fördern zu können.

Dies bietet aus unserer Sicht grundsätzlich die Chance, die Internationalisierung der Hochschulen zielgerichtet fortzuentwickeln. Dass dies erforderlich ist, zeigt der Befund, dass internationale Studierende weit überdurchschnittlich häufig ihr Studium abbrechen müssen. Diese Abbruchquote muss gesenkt, der Übergang in den deutschen Arbeitsmarkt verbessert werden. Eine verbesserte Betreuung der Studierenden muss auch an den oftmals unzureichenden Deutschkenntnissen ansetzen.

Kritisch sehen wir, dass der Vollzug des Gesetzes auch in der nun vorliegenden Entwurfsfassung durch zahlreiche Ausnahme- und Befreiungstatbestände sehr aufwändig sein wird. Wir brauchen verständliche und handhabbare Regelungen. Die Arbeitgeber Baden-Württemberg haben daher im Stellungnahmeverfahren gefordert, die Ausnahme- und Befreiungstatbestände im weiteren Gesetzgebungsverfahren soweit wie möglich zu straffen und zu vereinfachen.

Insgesamt ist aus unserer Sicht die Einführung von Studienbeiträgen für internationale Studierende und für ein Zweitstudium nur ein erster Schritt in die richtige Richtung. Wir halten eine sozialverträgliche, nachgelagerte Beteiligung aller Studierenden an den Kosten des Studiums weiterhin für unverzichtbar, um ein dauerhaft tragfähiges Gesamtkonzept der Hochschulfinanzierung zu entwickeln.“