Dick: „Bei Diskussion über gerechtere Verteilung der Gesundheitskosten müsste auch Lohnfortzahlung auf den Tisch“

STUTTGART – Die Arbeitgeber Baden-Württemberg haben die Forderung des DGB im Land zurückgewiesen, die Beiträge zur Krankenversicherung wieder paritätisch zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern aufzuteilen.

„Tatsächlich werden die Kosten für Gesundheit bereits heute überwiegend von der Wirtschaft getragen, z.B. wegen der Pflicht zur Lohnfortzahlung“, sagte Peer-Michael Dick, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeber Baden-Württemberg, am Dienstag in Stuttgart: „Die Kostenbelastung der Unternehmen ist zudem durch zahlreiche sozialpolitische Wohltaten der letzten Jahre deutlich gestiegen. Eine weitere Belastung wäre nicht mehr tragbar.“

Dick verwies darauf, dass die teuren Leistungsausweitungen in der Krankenversicherung, die zu dem hohen Ausgabenwachstum der gesetzlichen Krankenkassen geführt hat, die Politik zu verantworten habe – und nicht die Arbeitgeberseite: „Das System der Zusatzbeiträge setzt zumindest einen gewissen Anreiz für die Kassen, gut zu wirtschaften und ihren Kunden damit bessere Konditionen anbieten zu können.“ Bemerkenswert sei auch, dass die Parität der Beitragszahlung von einer SPD-Ministerin aufgehoben wurde: „Und nun fordern genau Politiker dieser Partei die Rückabwicklung ihrer eigenen Reform.“

Die Arbeitgeber seien gleichwohl gerne bereit, mit Gewerkschaften und der Politik über eine gerechtere Verteilung der gesamten Gesundheitskosten zu sprechen, so Dick: „Dann gehört aber auch z.B. die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall auf den Tisch, die in den ersten sechs Wochen von den Arbeitgebern alleine getragen werden muss. Dafür haben die Arbeitgeber allein 2014 bundesweit 43,5 Milliarden Euro ausgegeben, was umgerechnet 3,6 Beitragspunkten entspricht – weit mehr, als die Versicherten derzeit an Zusatzbeiträgen zu tragen haben.“ Auch die Sozialbeiträge für Minijobber, sämtliche Kosten für betriebliches Eingliederungsmanagement sowie betriebliche Präventionsprogramme würden alleine von den Arbeitgebern getragen, zudem müssten sie über die Beiträge zu den Berufsgenossenschaften auch die Kosten für Wegeunfälle aufkommen. „Eine generell paritätische Finanzierung der Gesundheitskosten wäre also ein echtes Minusgeschäft für die Arbeitnehmer. Daher ist echt erstaunlich, dass ausgerechnet der DGB dies fordert“, sagte Dick.