Entwicklung der Digitalisierung: Von Informationsplattform zu Industrie 4.0

Der technologische Fortschritt, die bessere technische Infrastruktur (Breitband) und die veränderte Erwartungshaltung der Kunden (Kaufverhalten, individuelle Bedürfnisse) haben Unternehmen dazu veranlasst, neue Wege zu gehen bzw. die Vorteile der Digitalisierung zu nutzen.

Fungierte das Internet Anfang der 90er Jahre zunächst überwiegend als reine Informationsplattform, so entstanden mit der New Economy im Jahr 2000 erste digitale Geschäftsmodelle, die klassischen Händlern Konkurrenz machten. Darauf aufbauend entwickelten sich in den frühen 2000er Jahren erste Plattformen, auf denen Endnutzer eigens kreierte Inhalte veröffentlichen konnten (z.B. Myspace, StudiVZ, Facebook) – das Web 2.0 war geboren.

Seit 2014 ist vom Web 3.0 die Rede. Durch zusätzliche Informationen wie Orts- oder Kontaktdaten auf Internetseiten entstehen semantische Netze: Maschinen verarbeiten die von Menschen eingepflegten Informationen und stellen komplexe Bedeutungszusammenhänge her.

Auf diesem semantischen Web baut das Internet der DingeInternet of Things – auf: Objekte bzw. Computer sind „intelligent“ und können untereinander Informationen austauschen mit dem Ziel, die virtuelle mit der realen Welt zu vereinen. So prüfen z.B. Waschmaschinen den Strommarkt und waschen nur dann, wenn der Strom am günstigsten ist.

Industrie 4.0 ermöglicht intelligente Fabriken

Im Zusammenhang mit dem Internet der Dinge taucht der Begriff Industrie 4.0 auf. Dieser kennzeichnet einen Paradigmenwechsel. Nach Dampfmaschine, Fließband, Elektronik und IT bestimmen cyber-physische-Systeme nun die vierte industrielle Revolution.

Hier verzahnen sich die Produktions- und Unternehmensprozesse mit Informations- und Kommunikationstechnik (IKT). Dies führt zu „intelligente Fabriken“, auch bekannt als „Smart Factories“. Menschen, Maschinen, Anlagen, Logistik und Produkte vernetzen sich, kommunizieren und kooperieren miteinander.

Digitalisierung, Mobilitätsmarkt, online Geschäftsmodelle, Web 3.0

Onlinebasierte Geschäftsmodelle nehmen zu.

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Digitalisierung von Dienstleistungen

Industrie 4.0 hat auch Auswirkungen auf Unternehmensdienstleistungen (Dienstleistungen 4.0). Denn diese werden immer enger mit der industriellen Wertschöpfung verzahnt, so dass sie zu einem wesentlichen Erfolgsfaktor für Produktion, Verkauf und Warenexport werden. Zu diesen Dienstleistungen gehören z.B. Logistik, Wartung, Softwareunterstützung, Marketing, Finanzierung und Service.

Aber nicht nur die industrienahen Dienstleistungen, auch der Dienstleistungssektor insgesamt wird sich grundlegend verändern. Je nachdem, ob es sich um produktbegleitende, personenbezogene oder wissensbasierte Dienstleistungen handelt, haben digitale Technologien zwar unterschiedlichen, aber in fast allen Fällen zunehmenden Einfluss auf Geschäftsmodelle, Vertriebswege oder Prozesse.

So gibt es zum Beispiel im Handwerk "smarte Produkte" wie Aufzüge oder Heizungsanlagen, die dank Sensorik eigenständig kommunizieren. CarSharing-Unternehmen und Vermittlungsplattformen sind neue Wettbewerber auf dem Mobilitätsmarkt. Und Branchen wie der Handel, Tourismus oder das Verlagswesen werden durch online-basierte Geschäftsmodelle (Online-Shopping, Online-Medien) in ihrer Existenz zunehmend bedroht.

Digitalisierung, digitale Arbeitswelt, digitale Kenntnisse

Digitalisierung verändert die Arbeit.

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Digitalisierung verändert Arbeitswelt

Die Digitalisierung wird die Arbeitswelt grundlegend verändern. Der Gesetzgeber wird die Themen Datenschutz, Arbeitszeitgesetz und flexibles Arbeiten sowie Bildung neu denken müssen. Ebenso werden die Sozialpartner den digitalen Wandel bei der Gestaltung der Tarifpolitik (z.B. Vergütungssysteme) berücksichtigen müssen. Und die Arbeitgeber sind u.a. gefragt, neue Wege beim lebenslangen Lernen zu beschreiten und neue Geschäftsmodelle zu erkennen.

Durchaus widersprüchliche Prognosen gibt es dafür, wie sich der Arbeitsmarkt entwickeln wird. Zahlreiche Studien schüren Angst, indem sie massive Jobverluste voraussagen. Doch genauso gibt es Studien, die positiv in die Zukunft blicken. Eine davon ist die ZEW-Studie aus dem Jahr 2018. Die Autoren gehen zwar davon aus, dass manche Berufsbilder wegfallen werden. Allerdings werden zeitgleich viele neue Jobprofile entstehen. Insgesamt sehen die Autoren leicht positive Beschäftigungseffekte, auch weil die "Anpassungseffekte in der Ökonomie stark genug sind, um einen Rückgang der Beschäftigung zu kompensieren."

Denn: Entscheidend wird sein, wie und ob sich die bereits beschriebenen neuen Geschäftsmodelle umsetzen lassen. Die technische Machbarkeit alleine entscheidet eben nicht darüber, ob eine Technologie auch tatsächlich angewendet wird. Vielmehr sind Investitionskosten, rechtliche Rahmenbedingungen, die Ertragsaussichten und die Unternehmenskultur ausschlaggebend.

Überdies unterstellt die Behauptung, Jobs würden massiv wegfallen, dass Produktionsmengen und Produktqualität immer gleich bleiben – und keine neuen Produkte hinzukommen. Das Gegenteil ist aber der Fall: Zum einen gibt es bei vielen Produkten einen bis heute immer weiter steigenden Bedarf. Gleichzeitig entstehen neue Geschäftsmodelle und Märkte: Die digitale Transformation bringt neue Technologien, neue Produkte und internetbasierte Dienstleistungen. Ihre Erforschung, Entwicklung, Bedienung und Wartung ist die Chance für neue Wertschöpfung und damit für neue Berufsbilder und Tätigkeitsfelder.

Aus der Historie heraus wissen wir außerdem, dass die vergangenen drei industriellen Revolutionen nicht zu einer höheren Arbeitslosigkeit geführt haben. Vielmehr hatten sie eine deutlich höhere Produktivität zum Ergebnis. Anstatt der befürchteten massenhaften Vernichtung von Jobs kam es vor allem zu struktureller Veränderung von Arbeitsinhalten.

Baden-Württemberg als Gewinner der Digitalisierung

Baden-Württemberg hat beste Chancen, zu den Gewinnern der Digitalisierung zu gehören. Das Land ist ein national und international bedeutender IKT-Standort und schon heute stark in allen Anwenderbranchen der Digitalisierung, wie z.B. in der Automobilindustrie, im Maschinen- und Anlagenbau sowie der Umwelttechnik.

Aber auch in der Gesundheitswirtschaft, der Kultur- und Kreativwirtschaft sowie in den verschiedenen Zweigen der Dienstleistungswirtschaft können in Baden-Württemberg durch die Digitalisierung erhebliche Potenziale freigesetzt werden. So bescheinigt beispielsweise das Institut IW Köln Baden-Württemberg eine beachtliche Patentleistung im Bereich Digitalisierung.

Um die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes zu erhalten und auszubauen, wird es entscheidend sein, dass Politik, Wirtschaft und Gesellschaft den digitalen Wandel gemeinsam gestalten und dessen Chancen nutzen. Überdies bedarf es fördernder Rahmenbedingungen. Die Wirtschaft benennt folgende Risikofaktoren: Erstens die mangelhafte Breitbandversorgung, zweitens den Fachkräftemangel, drittens die rechtlichen Rahmenbedingungen, die dem technischen und ökonomischen Wandel angepasst werden müssen (z.B. Datenschutz und Datensicherheit, Vorgaben bei Dauer und Lage der Arbeitszeit). Und viertens das noch unzureichend ausgeprägte Verständnis für die Chancen der Digitalisierung.