Digitalisierung: Berufe und Kompetenzen der Zukunft

Die Digitalisierung und Industrie 4.0 werden Auswirkungen haben auf die Inhalte der Berufsbilder. Ein Blick in die Historie belegt: Die Fertigkeiten und Kenntnisse des Stellmachers (oder Wagners), der ursprünglich Wagenräder und Kutschen aus Holz fertigte, waren mit dem Aufkommen der Eisenbahn als Waggonbauer oder später als Karosseriebauer in der Automobilindustrie auch noch äußerst begehrt, wenngleich sich das Berufsbild verändert hatte.

Skills der Zukunft

Einig sind sich Experten darin, dass die meisten Berufsbilder einen wesentlich höheren IT-Anteil haben werden. Die Nachwuchskräfte sollten IKT-bezogene Kompetenzen (Informations- und Kommunikationstechnik) mitbringen: Sie werden zur Schlüsselkompetenz und sind notwendig, um das Potenzial digitaler Technologien am Arbeitsplatz zu nutzen. IKT wird dort noch wichtiger, wo die Fähigkeit zur Anwendung und Entwicklung von „digitalen Produkten“ wie zum Beispiel Computern, mobilen Endgeräten, Software und Online-Diensten benötigt wird.

In Zeiten der Digitalisierung sind IT-Kompetenzen stärker gefragt.

Skills der Zukunft: IT-Kompetenzen stärker gefragt

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Aber auch die Verknüpfung von IT-Kompetenzen mit ökonomischen Fähigkeiten und Führungskompetenzen wird stärker gefragt sein. Dabei handelt es sich um eine unternehmerische Kompetenz. Sie ist dann wichtig, wenn Digitalisierung die Geschäftsmodelle und Organisation verändert. Es gilt, dieses Potenzial zu erkennen und für das eigene Unternehmen nutzbar zu machen.

Dies impliziert, dass zum Beispiel ein IKT-Spezialist zusätzlich über Wirtschaftskompetenzen verfügen und dabei ökonomische sowie organisatorische Aspekte des Wertschöpfungsprozesses im Auge haben sollte. Umgekehrt sollte zum Beispiel eine mit Führungsaufgaben und betriebswirtschaftlicher Verantwortung betraute Person über ein ausreichendes Maß an IKT-Kompetenzen verfügen.

Neben den bereits genannten Kompetenzen, die überwiegend Tech-Spezialisten und Führungskräfte beherrschen müssen, bringt die Digitalisierung überdies neue Anforderungen an alle Mitarbeiter.

Eine Studie des Stifterverbandes "Future Skills" hat ergeben, dass die Mitarbeiter in den nächsten fünf Jahren ein neues Set an Schlüsselqualifikationen benötigen werden, um der zunehmend schnelleren und komplexeren Arbeitswelt 4.0 gerecht zu werden.

Erstens werden die sogenannten digitalen Grundfähigkeiten wichtiger. Dazu gehört der informierte und souveräne Umgang mit digitalen Daten und gängiger Software - Stichwort Digital Literacy. Überdies müssen Mitarbeiter in der Lage sein, ihr Wissen digital zu erweiteren. Und schließlich werden Fähigkeiten zum kollaborativen und agilen Arbeiten wichtiger.

Zweitens müssen die klassichen, also nicht digitalen Fähigkeiten, ausgebaut werden. Qualifikationen wie Adaptions- und Problemlösungsfähigkeit, Kreativität und Durchhaltevermögen helfen, sich in der neuen Arbeitswelt besser und schneller zurechtzufinden.

Digitalisierung verändert Berufe, auch das Handwerk ist im Wandel.

Digitalisierung verändert Berufe, auch das Handwerk ist im Wandel.

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Berufe an Arbeitswelt 4.0 flexibel anpassen

Um auf den Veränderungsbedarf schnell reagieren zu können, sollten die Berufsbilder schnell und flexibel angepasst werden können. Das in der Metall- und Elektroindustrie vereinbarte „Agile Verfahren stellt hierfür die Blaupause. Durch modulare Elemente ist es hier möglich, die Ausbildungsordnungen flexibel zu handhaben und damit auf sich verändernde betriebliche Anforderungen nach verlässlichen Mindeststandards bundesweit zu reagieren. Das hilft auch den Berufsschulen, einen qualitativ hochwertigen Unterricht sicherzustellen.

Neue Berufe und Studiengänge durch Digitalisierung

In einigen Branchen und für bestimmte Jobs werden neue Berufsbilder entstehen. So gibt es seit dem 1. August 2018 den dualen Ausbildungsberuf Kauffmann/Kauffrau im E-Commerce. Dieser nimmt den Online-Handel in den Fokus.

Auch die Hochschulen reagieren und bieten Studiengänge an, die junge Menschen für die Arbeitswelt 4.0 fit machen. Folgend werden ein paar Beispiele vorgestellt, die baden-württembergische Hochschulen entwickelt haben.

Die SRH Fernhochschule Riedlingen offeriert den berufsbegleitenden Masterstudiengang Digital Management & Transformation (M.Sc.). Dieser verbindet die Disziplinen Digital Business, Management sowie BWL (Betriebswirtschaftslehre) und vermittelt Verständnis für die digitale Ökonomie. Gelehrt werden u.a. technologisch-ökonomische Grundlagen sowie Prozesse zur Gestaltung der digitalen Transformation.

Die Fachhochschule AKAD bietet ebenfalls Fernstudiengänge. Die technische Perspektive – Stichwort intelligente Verzahnung industrieller Prozesse mit digitalen Systemen – wird im Bachelorstudium Digital Engineering & Industrie 4.0 angeboten. Die betriebswirtschaftliche Perspektive lehrt AKAD im Studiengang Betriebswirtschaftslehre - Digital Transformation (B.A.)

Und die Hochschule Albstadt-Sigmaringen bietet Studiengänge mit Informatik-Schwerpunkt, so zum Beispiel den Master Data Science (M.Sc.).

Der digitale Wandel wird folglich auch neue Jobs schaffen. Das ist nur logisch, denn Digitalisierung ermöglicht neue Geschäftsmodelle und eröffnet neue Märkte. Und diese erfordern neue Fachkenntnisse. So gab es vor 20 Jahren noch keine Online-Marketing-Manager, Data Scientisten oder Cloud-Architekten – alles Berufe, die bereits heute gefragt sind und morgen noch wichtiger werden. Der Stifterverband schätzt übrigens den Bedarf an zusätzlichen Tech-Spezialisten bis 2023 auf rund 700.000 Personen (bundesweit). Davon entfallen allein 50 Prozent auf die Fähigkeit zu komplexer Datenanalyse.

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Arbeitsplatz 4.0

Die Digitalisierung wird Arbeitsplätze verändern. Menschen werden mit Robotern Hand in Hand arbeiten können und neue Technologien eine vollwertige Teilhabe am Arbeitsleben ermöglichen.

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Arbeit 4.0

Durch Digitalisierung ist es möglich, Arbeitsprozesse und Arbeitsbedingungen zu flexibilisieren. Um diese Chancen zu nutzen, müssen auch Regelungen und Gesetze flexibilisiert und modernisiert werden.