Digitaler Arbeitsplatz – Trumpf oder Bedrohung?

Der digitale Wandel wird das Arbeitsleben grundlegend verändern. Das betrifft sowohl Arbeitszeit und -ort, als auch die Arbeitsweise und den Arbeitsplatz selbst. Modelle wie mobiles Arbeiten und Homeoffice sowie agile Arbeitsformen werden unter dem Begriff Arbeit 4.0 diskutiert.

Arbeitsplatz 40: Was sich ändert.

So verändern digitale Technologien Arbeitsplätze.

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Möglich machen das Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) wie mobile Endgeräte, kollaborative Plattformen, Konferenzsysteme oder Cloud-Dienste. Ausgestattet mit W-Lan, Laptop, Smartphone und Skype steht der räumlichen und zeitlichen Autonomie nichts mehr im Wege.

KI-getriebene Software übernimmt mit leistungsfähigen Algorithmen vermehrt Routinearbeiten, so dass Menschen mehr Zeit haben für kreative, anspruchsvolle und strategische Aufgaben. Und diese können in der Regel auch außerhalb des stationären Arbeitsplatzes erledigt werden.

Der digitale Wandel krempelt aber nicht nur die kaufmännischen Bereiche um. Ebenfalls der Shop Floor ist betroffen: Die Mensch-Maschine-Kollaboration hält in den Produktionshallen Einzug. Menschen arbeiten mit Robotern - Hand in Hand.

Ferner verändert Automatisierung die Produktionsbereiche: Im Zeitalter der vierten industriellen Revolution – Stichwort Industrie 4.0 – verzahnen sich die Produktions- und Unternehmensprozesse mit IKT und es entstehen intelligente Fabriken, sogenannte Smart Factories.

Digitaler Arbeitsplatz: Ausnahme oder Alltag?

Bei all den technologischen Möglichkeiten stellt sich unweigerlich die Frage: Betrifft die Digitalisierung des Arbeitsplatzes alle oder bleibt sie eine Ausnahme? Die Antwort darauf haben bereits Akademiker in einer Forschungskooperation des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) geliefert.

Und sie ist unmissverständlich: Es gibt heute kaum noch Arbeitsplätze, die ohne IKT auskommen. In Zahlen ausgedrückt: 83 Prozent der Befragten nutzen digitale Technologien am Arbeitsplatz, allerdings bestehen Unterschiede nach Bildungsniveau und Berufsgruppe. Bei den Geringqualifizierten nutzt nur die Hälfte beruflich IKT, bei den Hochqualifizierten sind es fast alle. Beschäftigte in Vertrieb und Verwaltung nutzen IKT häufiger als Beschäftigte in Produktion und Service. Führungskräfte können auf mehr IKT zurückgreifen als Angestellte ohne Führungsverantwortung.

In Anbetracht dieser Zahlen ist es verständlich, dass Ängste aufkommen. Vor allem wird befürchtet, dass Digitalisierung zu massiven Jobverlusten führen wird, weil ganze Berufsbilder überflüssig werden. So könnte die Arbeit eines Zahntechnikers von einem 3D-Drucker übernommen werden. Und ist es nicht schon heute voraussehbar, dass Steuerberater und Juristen durch Algorithmen ersetzt werden? Um die Ängste hier etwas abzubauen, verweisen wir auf unsere Positionen Entwicklung der Digitalisierung und Berufe 4.0. Nachfolgend fokussieren wir uns auf die Chancen und Risiken des digitalen Arbeitsplatzes.

Arbeitsplatz 4.0: Sind Digitalisierung und Automatisierung des Menschen Feind?

Häufig kommen mit Blick auf die Mensch-Maschine-Kollaboration Zweifel auf: Gibt der Mensch noch die Richtung vor, oder wird er zum Handlanger des Roboters? Überwachen die Menschen weiterhin die Maschinen oder wird sich das in Kürze umkehren? Schließlich machen digitale Technologien vieles möglich:

Neue, bessere Sicherungssysteme machen Einhausungen von Robotern zunehmend überflüssig. So kann etwa beim Schweißen von Großkonstruktionen das lange und aufwändige Vorrichten entfallen. Der Roboter bringt selbst die schwersten Teile dynamisch passend zum Schweißen in Position. Dadurch können Mensch und Roboter besser zusammenarbeiten.

Sensortechnik unterstützt die Arbeit zwischen Mensch und Maschine. Bereits heute werden Produkte zeitgleich von beiden „Mitarbeitern“ montiert. Der Roboter erkennt anhand von Sensoren die Bewegungen seines menschlichen Kollegen und verhindert so Zusammenstöße.

Sensortechnik und Big Data wiederum ermöglichen es, den Produktionsprozess in Echtzeit zu überwachen und zu optimieren. Dabei helfen selbstlernende Systeme. Über Sensoren können beispielsweise Kommissionier- und Servicewege optimiert und beschleunigt werden, so dass sich Lieferzeiten und Servicequalität entsprechend erhöhen.

Mittels Augmented Reality können Prozesse, Abfolgen oder Zusatzinformationen eingeblendet werden, indem zum Beispiel ein Mechaniker die nächsten Schritte für die Reparatur virtuell angezeigt bekommt.

Dank 3D-Software können Baupläne heute im Nu erstellt, Produkte digital modelliert und am 3D-Drucker ausgegeben werden.

Die Veränderungen im Arbeitsleben sind groß. Die Chancen, die ein Arbeitsplatz 4.0. bietet, ebenso. Digitale Technologien werden hauptsächlich Arbeiten abnehmen können, die widerkehrend, standardisiert und routiniert ablaufen. Gerade diese Art von Arbeiten empfinden Menschen oft als eintönig und belastend – sei es körperlich oder geistig.

Was die Roboter betrifft: Derzeit zeichnet sich kein Trend ab, der dem Menschen den Dirigentenstab nimmt: Der Einsatz von Robotern in der deutschen Industrie ist zwar gestiegen (zwischen 2012 und 2014 um 9%), jedoch teilen die meisten Beschäftigten einer IW-Studie zufolge nicht die Sorge, dass sie durch technischen Fortschritt ersetzt werden.

digitaler Arbeitsplatz: Neue Anforderungen

Neue Arbeitsanforderungen durch Digitalisierung

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Arbeitsplatz der Zukunft: Risiken und Nebenwirkungen

Es wäre falsch, die Veränderung hin zum digitalen Arbeitsplatz ausschließlich durch eine rosarote Brille zu betrachten und mögliche Bedrohungen zu ignorieren.

Eine Herausforderung, die nahezu alle treffen wird, ist lebenslanges Lernen. Das ist plausibel, denn wie bereits erwähnt, wird der Arbeitsplatz quer durch alle Branchen und Berufsgruppen durch Tools und Technologien digital. Deshalb müssen die erforderlichen Rahmenbedingungen für lebenslanges Lernen von Politik und Wirtschaft geschaffen werden. Anderenfalls wird aus dieser Herausforderung eine echte Bedrohung. Gefragt sind bei diesem Thema ebenso die Betroffenen selbst: Lebenslanges Lernen bedeutet nämlich, Selbstverantwortung zu übernehmen und die Bereitschaft zu haben, sich kontinuierlich mit Veränderungen der Arbeitswelt auseinandersetzen zu wollen.

Eine weitere Herausforderung liegt darin, dass nicht alle Generationen mit der Vielfalt an IKT und der damit einhergehenden Informationsflut souverän umgehen können. Digital Literacy lautet hier das Zauberwort. Das heißt: Der informierte Umgang mit Daten im Netz sowie das kollaborative Arbeiten mit Endgeräten und Anwendungen wird zur Voraussetzung für die Berufsausübung und damit zu einer digitalen Grundfähigkeit. Es gilt, die Menschen zu befähigen, zu sensibilisieren und mitzunehmen. Anderenfalls werden sie vom Arbeitsmarkt abgehängt, was zu stressbedingten Erkrankungen wie Burnout oder Depressionen führen kann.

digitaler Arbeitsplatz bietet mehr Chancen als Risiken

Arbeitsplatz 4.0: Mehr Chancen als Bedrohungen

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Die Trümpfe des digitalen Arbeitsplatzes

Wo es Risiken gibt, gibt es auch Chancen. Die Vorteile des digitalen Arbeitsplatzes sind vielseitig. So glaubt der IW-Studie zufolge mehr als jeder Zweite, dass sich seine eigene Leistung durch neue Technologien erhöht hat. Ähnliche Ergebnisse liefert der Forschungsbericht des BMAS: Hier gaben 56 Prozent der Befragten an, dass sie eine Steigerung der eigenen Produktivität durch technologische Neuerungen wahrnehmen. Weitere positive Effekte sind mehr Entscheidungsfreiheit, körperliche Entlastung sowie verringerte Anforderungen an die eigenen Fähigkeiten.

Positiv können Sensortechniken und Assistenzsysteme wirken, nämlich dann, wenn z.B. Datenbrillen speziell für Menschen mit Behinderungen eingesetzt werden und damit die vollwertige Teilhabe am Arbeitsleben ermöglichen. Oder wenn digitale Assistenzsysteme ältere Beschäftigte bei der körperlichen Arbeit entlasten.

Überdies können solche Systeme beim Arbeitsschutz rechtzeitig vor zu hohen Belastungen und Gefährdungen warnen oder ungünstige Belastungen vermeiden. Beispiele sind: Roboter als Hebe- und Tragehilfe, physiologische Parametererkennung und -überwachung in Feuerwehrbekleidung.

Unter die Mensch-Maschine-Kollaboration fällt eine derzeit mit hoher Aufmerksamkeit bedachte Technologie: das Exoskelett. Die sogenannten Wearable Robotics können Beschäftigte beim Heben und Tragen unterstützen oder bei Zwangshaltungen Hilfestellung geben. Durch die physische Ergonomieunterstützung können mittel- und langfristig die Muskel- und Skeletterkrankungen reduziert werden. Eine weitere Variante ist das Exoskelett Chairless Chair. Es ist eine an den Körper geschnallte Sitzhilfe, die einen flexiblen Wechsel zwischen Sitzen und Stehen ermöglicht.

Zusammengefasst: Der digitale Arbeitsplatz ist bereits heute Realität, obgleich die Potenziale der digitalen Technologien noch längst nicht ausgeschöpft sind. Eindeutig überwiegen derzeit die Vorteile, wenn man die Auswirkungen der Digitalisierung am Arbeitsplatz betrachtet. Doch darf man nicht wegdiskutieren, dass vor allem routinierte, einfache und körperlich belastende Arbeiten durch Roboter in Soft- oder Hardware übernommen werden könnten. Es gilt, die Risiken zu erkennen und ihnen Lösungen entgegenzusetzen. Gefragt sind die Politik gleichermaßen wie die Arbeitgeber und Belegschaft.

Digitalisierung, Bildung 4.0,

Bildung 4.0

Die Digitalisierung wird die Bildungsinhalte und Lehrmethoden verändern. Es wird darauf ankommen, digitale Kompetenzen entlang der Bildungskette zu vermitteln - mit den richtigen Inhalten und neuen didaktischen Mitteln.

Datenschutz 4.0; EU-Datenschutzgrundverordnung; Beschäftigtendatenschutzes; personenbezogene Daten; Digitalisierung;

Digitalisierung und Datenschutz

Durch neue Technologien fließen in Unternehmen an bedeutend mehr Stellen personenbezogene Daten. Diese gilt es einerseits zu schützen. Andererseits muss ermöglicht werden, die Chancen digitaler Technologien nutzen zu können.