Was BGM ist und warum jetzt höchste Zeit dafür ist!

Ein Blick auf die Uhr, ein hastiger Schluck Kaffee und weiter geht es. Der Rollout der neuen Kundendatenbank ist in Sichtweite. Gut fünf Arbeitstage haben die fünf parallel arbeitenden IT-Spezialisten noch zu verrichten, ehe der Go-Live beginnen kann - alles läuft nach Plan.  

Doch dann ein Zwischenfall: Einer der Programmierer fällt aus – der Rücken macht nicht mehr mit und er muss länger behandelt werden. Der plötzliche Ausfall des Kollegen führt zu höchstem Zeitdruck bei den anderen vier Programmierern. Die Frist ist trotzdem nicht mehr haltbar.

Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig gesunde und leistungsfähige Mitarbeiter für den Erfolg von Unternehmen sind. Doch wie lässt sich die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter managen? Die Antwort: mit einem ganzheitlichen betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM), das auch präventiv wirkt.

Irrtümlicherweise wird BGM oft gleichgestellt mit der freiwilligen betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) in Unternehmen, die Angebote wie Rückenschule oder gesundes Kantinenessen für Mitarbeiter beinhaltet.

BGM greift aber weiter und ist als strategisches Dach über alle Aktivitäten im Bereich der Gesundheit zu verstehen. Es fußt im Wesentlichen auf drei Säulen: erstens auf dem gesetzlich verpflichtenden Arbeitsschutz (AS), zweitens auf dem ebenfalls gesetzlich verpflichtenden betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) und drittens auf der freiwilligen betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF).

Die drei Säulen des BGM.

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Wirkt das BGM, profitieren Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen. Indes: Die Erhaltung der Gesundheit ist eine gesamtgesellschaftliche Angelegenheit. Arbeitgeber können und sollen nicht die Aufgaben des staatlichen Gesundheitswesens übernehmen. Auch können sie nicht die Gesundheit jedes einzelnen Beschäftigten verantworten. Schließlich sollte jeder Beschäftigte ein eigenes Interesse daran haben, auf seine Gesundheit zu achten. Arbeitgeber können hierbei lediglich unterstützen.

Kritiker des BGM führen als häufigen Grund hohe Kosten an. Warum sich BGM dennoch lohnt, wollen wir folgend aufzeigen.

BGM kann Ausfallzeiten reduzieren

Aus Sicht der Arbeitgeber kann ein gutes betriebliches Gesundheitsmanagement Kosten senken und Risiken minimieren. Denn wird ein Mitarbeiter krank, muss das Unternehmen Lohnfortzahlung leisten oder es drohen gar Umsatzausfälle, wie im obigen Beispiel beschrieben. Zum zweiten sinkt die Produktivität, wenn Mitarbeiter häufig länger ausfallen. Am Markt kann es aber durchaus entscheidend sein, ob ein Wettbewerber eine Krankenquote von 3, 6 oder 9 Prozent hat. Ein wirksames BGM kann also Fehl- und Ausfallzeiten reduzieren.

BGM kann Arbeitgebermarke stärken

Ein weiterer guter Grund, warum Unternehmen BGM in den Blick nehmen sollten, ist das eigene Firmenimage. Denn Engagement rund um die Gesundheit wirkt positiv nach innen, also auf die eigenen Beschäftigten, und nach außen, also auf potenzielle Fachkräfte, Kunden oder Partner.

Damit kann BGM einen Beitrag zur Bindung von Fachkräften an das Unternehmen leisten. Allerdings wird sich eine Fachkraft alleine des BGM wegen nicht für oder gegen einen Arbeitgeber entscheiden. Deshalb kommt es darauf an, dass die Gesamtheit aller personalpolitischen Maßnahmen darauf ausgerichtet ist, Fachkräfte zu binden. Das BGM ist hierbei nur ein einzelner Baustein. Gleiches gilt für die Fachkräftegewinnung: Auch hier kann BGM nur eine Säule weiterer personalpolitischer Maßnahmen sein, in Verbindung mit einem positiven Firmenimage.

BGM wichtig in Zeiten des demografischen Wandels

Schließlich möchten wir noch den demografischen Wandel als Argument für ein wirksames BGM anführen. Unabhängig vom Geschlecht steigt mit dem Alter die fallbezogene Krankheitsdauer stetig. Einzelne Krankschreibungen dauern in der jüngsten Altersgruppe im Mittel knapp sechs Tage, während es nach dem 60. Lebensjahr mehr als 20 Tage sind. Aufgrund des erwarteten demografischen Wandels ist mit einer Zunahme der krankheitsbedingten Fehlzeiten zu rechnen.

Deshalb sind auch die Früherkennung und Prävention von Krankheiten so wichtig. Je früher mögliche gesundheitliche Risiken erkannt werden, desto besser ist es möglich, die Spätfolgen im Alter zu vermeiden. Denn sind die Krankheiten erst da, dann helfen auch spezielle Gesundheitsprogramme für ältere Beschäftigte wenig. Das ist auch der Grund dafür, warum „gesundes Leben“ nicht erst in den Betrieben, sondern bereits im Kindes- und Schulalter anfangen muss.

Ältere Mitarbeiter werden länger krank.

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BGM richtig gestalten

Doch wie sieht nun ein zeitgemäßes BGM aus? Die Antwort ist simpel: Wie ein erfolgreiches Unternehmen, sollte auch BGM nicht lediglich die Summe seiner Teile darstellen. Vielmehr müssen alle Einzeldisziplinen wie Arbeitsmedizin, Sozialarbeit oder Personalwesen aufeinander abgestimmt und zu einer Gesamtheit gebündelt werden.

Die Akteure agieren dabei keinesfalls mit der Gießkanne, sondern zielgerichtet, wohldosiert und auf die individuellen Bedarfe der Beschäftigten angepasst. Letzteres bedeutet, dass auch freiwillige BGF-Maßnahmen auf die Zielgruppen zugeschnitten werden – vom niederschwelligen Angebot wie gesunder Kantinenkost bis hin zu komplexer arbeitsmedizinischer Betreuung wie regelmäßige Gesundheits-Checks für Fach- und Führungskräfte.

Allgemein gültige Musterlösungen im BGM existieren folglich nicht. Vielmehr muss auch hier eine unternehmensindividuelle Implementierung von BGM-Maßnahmen erfolgen, mit einer vorgeschalteten Analyse: Wie sieht die Altersstruktur der Belegschaft aus? Klagen die Mitarbeiter zunehmend über körperliche oder psychische Belastungen? Welche Rolle spielen die Arbeitsorganisation, die Führung oder bereits vorhandene Gesundheitsangebote? Welche Anforderungen und Wünsche formulieren die eigenen Beschäftigten?

Anregungen und Handllungsempfehlungen geben wir in unserem BGM-Leitfaden. Jetzt downloaden!

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