Trump, Brexit und die Folgen für die Wirtschaft

Erstellt am: 26.06.2017

Warum ist die deutsche Wirtschaft so erfolgreich? Welche Risiken drohen? Was bedeuten der Brexit und die Handelspolitik von US-Präsident Trump für deutsche Unternehmen? Was muss die nächste Bundesregierung in den Fokus nehmen? Im „Arbeitgeber im Dialog“-Interview bezieht Professor Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Köln, Position.

Drei wesentliche (Alleinstellungs-)Merkmale benennt Hüther im Interview, die für einen Wettbewerbsvorteil der deutschen Wirtschaft stehen: „Die enge Zusammenarbeit in Netzwerken und Clustern, die Konfliktlösung über die Sozialpartnerschaft sowie die duale Berufsausbildung sind Alleinstellungsmerkmale der deutschen Wirtschaft.“

Günstige Faktoren wie niedrige Ölpreise und Zinsen sowie der günstige Euro-Kurs seien nur begrenzt ein Vorteil, da andere Volkswirtschaften davon auch profitierten. Gleichwohl würde das zeitgleiche Anziehen von Ölpreis, Zinsen und Euro eine Herausforderung bedeuten, sie würden das Modell aber nicht umwerfen. Außerdem sei ein solcher Umschwung nicht in Sicht.

Die Befürchtungen, die der Brexit sowie die US-Wahlen bei Wirtschaft und Gesellschaft ausgelöst haben, sieht Hüther aktuell nicht, im Gegenteil: Trump und Brexit könnten am Ende sogar dazu führen, dass Deutschland Vorteile gewinnt. Hinsichtlich drohender Sanktionen müssten sich auch die USA an bestehende Regeln halten. Im Übrigen trifft aber der Vorwurf, die deutsche Wirtschaft agiere mit unfairen Preisen, nicht zu. Deutschland exportiert vor allem Hochpreisprodukte, für die es weltweit kaum Alternativen gibt.

Mit Blick auf die nächste Bundesregierung sollte schnellstmöglich die Digitalisierung, hier vor allem der Ausbau der Breitbandnetze, und eine Reform des Steuersystems in Angriff genommen werden. „Wir sind in dieser Legislatur mit dem Breitbandausbau nicht großartig vorangekommen. Nur 75 Prozent der Haushalte haben einen Anschluss mit 50 Mbit und mehr. Das ist im internationalen Vergleich nicht akzeptabel.“ Das Steuersystem sei unfair, weil es insbesondere im unteren Bereich eine zu starke Progression habe. Das führe dazu, dass schon bei mittleren Einkommen normale Lohnzuwächse von der Steuer abgegriffen würden.

Auch warnt Hüther davor, mit Gerechtigkeitsversprechen falsche Erwartungen bei den Wählern zu wecken: "Weder Mindestlohn noch Rente mit 63 führt zu höheren Glücksgefühlen der Menschen.“