Qualität in Schulen verbessern – BaWü wieder an Spitze führen

Mit dem IQB-Bildungstrend 2015 fand sich Baden-Württemberg beim Thema Qualität an Schulen nur noch im Durchschnitt der Bundesländer wieder. Echte Qualitätsverbesserungen und Leistungssteigerungen wie in anderen Bundesländern blieben aus. Die Arbeitgeber Baden-Württemberg setzen sich für eine ehrliche Qualitätsdebatte und eine Fokussierung auf die zentralen Stellgrößen für eine gelingende Schul- und Qualitätsentwicklung ein. Statt dogmatischer Vorfestlegungen gilt es jetzt, einen schonungslosen Blick auf Wirksamkeiten zu legen. Dafür benennen die Arbeitgeber Baden-Württemberg sieben Ansatzpunkte, mit denen die Schulen des Landes wieder an die Spitze geführt werden können:

1. Kosten- und Effizienzinformationen auf allen Ebenen bereitstellen

IST: Bei der Steuerung des baden-württembergischen Schulsystems fehlt es auf allen Ebenen des Systems an Verlässlichkeit und Verbindlichkeit. Ein strategisches Bildungscontrolling wird bislang nicht genutzt und die Datenbasis der verschiedenen Leistungsmessungs- und Evaluationsverfahren sind nicht verknüpft.

SOLL: Kosten- und Effizienzinformationen müssen im Rahmen eines strategischen Bildungscontrolling auf allen Bildungsebenen zur Verfügung gestellt und miteinander verknüpft werden. Ineffizienzen müssen transparent gemacht und die Fehlallokation von Ressourcen muss korrigiert werden. Auf den Punkt gebracht: Baden-Württemberg verdient mehr Bildung für das gleiche Geld.

2. Verbindliches System- und Qualitätsmanagement einrichten

IST: Ein leistungsfähiges Bildungssystem benötigt ein effizientes und verbindliches System- und Qualitätsmanagement. Das bisherige Verfahren der Eigen- und Fremdevaluation erfüllt wegen mangelnder Verbindlichkeit diesen Anspruch nicht. Verbesserungen werden nicht angemessen gewürdigt, festgestellte Mängel und Probleme bleiben häufig ohne Konsequenzen.

SOLL: Das bestehende Qualitätsmanagement muss zu einem wirksamen System- und Qualitätsmanagementprozess weiterentwickelt werden. Dazu gehört zwingend, dass aus der Evaluation abgeleitete Zielvereinbarungen regelmäßig und verbindlich mit den Schulleitungen vereinbart werden und die Zielerreichung mit Konsequenz nachverfolgt wird.

3. Bildungsreformen wissenschaftlich begleiten und controllen

IST: Bildungspolitische Reformen haben sich zu lange einer klaren Zieldefinition mit messbaren Kriterien für den pädagogischen Mehrwert und den intelligenten Wissenserwerb entzogen.

SOLL: Sämtliche Reformen im Schulbereich müssen wissenschaftlich begleitet und einem Controlling unterzogen werden. Dies muss von Anfang an mitgedacht und in der Finanzierung berücksichtigt werden. Gute Schule braucht messbaren Erfolg.

4. Verbindliche Bildungsstandards sicherstellen

IST: Im aktuellen Standardwirrwarr der Kultusministerkonferenz (KMK) ist ein verbindlicher Mindeststandard schwer zu erkennen.

SOLL: Das Bildungsversprechen des Staates an Eltern und Gesellschaft muss auf verlässlichen Standards beruhen und überprüfbar sein. In Ergänzung zu den KMK-Standards müssen zusätzlich schulformübergreifend verbindliche Mindeststandards auf der Landesebene definiert werden. Die Wirtschaft in Baden-Württemberg erwartet Klarheit, mit welchen Voraussetzungen Schüler zukünftig in Ausbildung und Beruf eintreten.

5. „Selbstständige Schule“ zulassen und gestalten

IST: Regionale Schulentwicklung, Inklusion, veränderte Schulstrukturen und neue Bildungspläne stellen Schulen vor große Herausforderungen in der eigenverantwortlichen Schulentwicklung. Schulen haben aber dafür aktuell zu wenige Handlungsspielräume im Sinne einer „Selbstständigen Schule“.

SOLL: Subsidiarität und dezentrale Verantwortungsübernahme können und müssen ernst genommen und verbindlich gelebt werden. Die „Selbstständige Schule“ bringt viele Vorteile: Die Schule schärft ihr Profil, steuert direkt und zielgenau die Personalauswahl und -entwicklung, erhält Ressourcen per Globalbudget und nicht orientiert am Klassenteiler und gestaltet ihr Qualitätsmanagement auf der Grundlage von Zielvereinbarungen.

6. Gezielte Personalentwicklung für Lehrkräfte vorantreiben

IST: Gezielte Personalentwicklung wird an den Schulen nicht gelebt und entsprechend wird ein wirksamer Hebel für Qualitätsverbesserung nicht genutzt.

SOLL: In der Lehrerfortbildung muss der Einstieg in eine gezielte und verbindliche Personalentwicklung und Laufbahnplanung gefunden werden, die direkt auf den Ergebnissen der Fremdevaluation und auf einem wirksamen Beurteilungssystem aufsetzt. Evaluation, Qualifizierung und Personalentwicklung müssen zusammen gedacht und verantwortet werden. Das gilt für alle Schularten.

7. Mehr Spitzenförderung ermöglichen

IST: Baden-Württemberg hat die Spitzenförderung zu lange vernachlässigt. In der Folge fehlen heute entsprechende Angebote und Förderkonzepte für besonders begabte Schüler. Das gilt vor allem für den MINT-Bereich.

SOLL: Baden-Württemberg braucht ein Gesamtkonzept für die Spitzenförderung im Land. Im MINT-Bereich bilden Schülerforschungszentren den Einstieg für ein MINT-Elite-Konzept. Landesweite MINT-Eliteschulen, bei denen Universitäten und Unternehmen des Landes eingebunden werden, müssen als wichtige weitere Eckpfeiler folgen.