Psychische Gesundheit

Die psychische Gesundheit hängt von vielen Faktoren ab. Es ist falsch, hierfür nur die Arbeitswelt verantwortlich zu machen. Gerade auch das soziale und familiäre Umfeld hat auf sie Einfluss.
 

Psychische Erkrankungen haben viele Ursachen. Und sie müssen schnell und nachhaltig behandelt werden.  Es ist jedoch falsch, diese vorrangig auf die Arbeitswelt zurückzuführen. Vielmehr liegen die Auslöser zunehmend im sozialen oder familiären Bereich. Außerdem belegen zahlreiche wissenschaftliche Studien: Die Erkrankungen haben nicht zugenommen, sie werden nur besser diagnostiziert und behandelt.

Die Arbeitgeber Baden-Württemberg lehnen sämtliche gesetzliche Vorhaben wie die 'Verordnung zum Schutz vor Gefährdungen durch psychische Belastungen bei der Arbeit' ab. Hier wird suggeriert, man könne Stress gesetzlich verbieten. Tatsächlich wird aber die Leistungsfähigkeit der Betriebe im internationalen Wettbewerb eingeschränkt. Bereits heute bestehen Gesetze, Verordnungen und Regelungen wie die Bildschirmarbeitsverordnung oder die Leitlinien der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) zu 'Beratung und Überwachung bei psychischer Belastung am Arbeitsplatz'.

Ursache und Wirkung

Psychische Erkrankungen beeinflussen den Alltag. Somit werden sie auch in der Arbeitswelt sichtbar. Das heißt jedoch nicht, dass die 'vermeintlich schlechten' Arbeitsbedingungen der Grund für diese Erkrankungen sind. Die Ursachen dafür liegen zunehmend im persönlichen Umfeld und auch das eigene Verhalten kann der Auslöser für eine psychische Erkrankung sein. Hier gilt: Ursache und Wirkung nicht verwechseln.

Arbeit wirkt positiv

Studien belegen: Berufstätige Menschen leiden seltener an psychischen Erkrankungen als arbeitslose Menschen. Denn Berufstätigkeit schafft Selbstvertrauen und Anerkennung. Sollten psychische Erkrankungen auftreten, sind alle Akteure im Bereich des Arbeits- und Gesundheitsschutzes gefordert. Hier müssen Unternehmen, Betriebsräte, Forschung und Gesundheitswesen zusammen arbeiten. Auch Eigenverantwortung ist gefragt: Jeder kann dazu beitragen, seine psychische Gesundheit zu erhalten und zu stärken.

Wirtschaft engagiert

Die Unternehmen haben großes Interesse daran, die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu erhalten. Schon heute bietet die Wirtschaft zahlreiche Maßnahmen zur freiwilligen betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) an. Um psychisch bedingte Fehlzeiten und Leistungseinschränkungen zu vermeiden, umfassen die Gesundheitsprogramme auch präventive Maßnahmen zur psychischen Gesundheit, z.B. Umgang mit Stress, Zeit- und Selbstmanagement oder Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Hinzu kommen Beratungsangebote von Psychologen, Sozial- und Schuldenberatung, Suchtberatung oder Hilfen zur Konfliktbewältigung.

Gemeinsame Erklärung

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, die BDA und der DGB haben sich im September 2013 auf ein gemeinsames Grundverständnis zum Umgang mit psychischer Belastung in der Arbeitswelt geeinigt und in einer „Gemeinsamen Erklärung zur psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt“ festgehalten.

Die Sozialpartner vereinbaren, gemeinsam die Umsetzung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in Unternehmen und Verwaltungen zu fördern und sich für eine flächendeckende Realisierung betrieblicher Gefährdungsbeurteilungen im Hinblick auf physische und psychische Belastungen einzusetzen. Zudem streben sie an, in den Selbstverwaltungsgremien auf eine bessere Zusammenarbeit der Sozialversicherungsträger untereinander sowie mit den Unternehmen hinzuwirken, um die Versorgung psychisch erkrankter Menschen durch ein konzertiertes Versorgungsmanagement von Kranken- und Rentenversicherung zu verbessern.