Digitale Bildung entlang der Bildungskette

Digitale Bildung

Digitalisierung verändert Schulen.

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Die Digitalisierung erfordert neue bzw. andere Qualifikationen in der Arbeitswelt. Folglich werden sich auch die Bildungsinhalte und Lehrmethoden verändern müssen. In Zukunft wird es darauf ankommen, digitale Kompetenzen entlang der Bildungsbiografie zu vermitteln – durch passende Inhalte und mit neuen didaktischen Mitteln. Die Basis bildet eine gute digitale Infrastruktur an allen Lernorten – angefangen an Schulen, über Berufsschulen und Hochschulen, bis hin zum Betrieb und zu Hause.

Digitalisierung verändert Schule

Mit Blick auf Schule 4.0 liegt Deutschland sowohl bei der Nutzung von digitalen Instrumenten als auch bei der Entwicklung einer digitalen Strategie leider zurück. So fehlen Deutschland beispielsweise klare Ziele mit Blick auf den pädagogischen Mehrwert, den Digitalisierung bieten kann. Das ist jedoch entscheidend, denn erst auf Grundlage von neuen pädagogisch-didaktischen Konzepten wird der Ausbau der digitalen Infrastruktur an Schulen und ihre Hardware-Ausstattung messbare Erfolge bringen.

Um den Nachwuchs für die Zukunft fit zu machen, muss der Kompetenzaufbau in Informationstechnischer Grundbildung (ITG) und Informatik sichergestellt werden. Der verpflichtende Basiskurs in Klasse 7 und Wahlmöglichkeiten in den Klassen 8/9/10 bieten dafür einen guten Einstieg. Der Basiskurs darf jedoch nicht auf Gymnasien beschränkt bleiben und muss umgehend in allen Schularten umgesetzt werden. Besonders die zukünftigen Facharbeiter werden mehr Grundlagenverständnis für Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) brauchen.

Die Bildungspläne der allgemeinbildenden Schulen müssen die Basisanforderungen der Digitalisierung abbilden. Dies schafft die Grundlage, dass im weiteren Verlauf der Ausbildung das gesamte Spektrum der verbalen und technischen Kommunikation situationsgerecht angenommen und bis zum Eintritt in den Beruf passend eingesetzt werden kann. Das Ziel muss der mündige Informationsbürger sein.

Entgegen der Ausführung im Weißbuch „Arbeiten 4.0“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS), die Vermittlung der für den Beruf nötigen Grundkompetenzen sei auch Aufgabe der Berufsausbildung, liegt der Ball aus Sicht der Arbeitgeber Baden-Württemberg in erster Linie bei der Politik. Die Vermittlung von Grundkompetenzen ist Sache der Schulbildung. In Deutschland leben 7,5 Millionen funktionale Analphabeten. Betriebe und die Berufsausbildung sind keine Reparaturanstalt.

Digitale Berufsbildung

Digitale Bildung: Auch Berufsausbildung muss sich wandeln.

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Digitale Arbeitswelt verändert Berufsbildung

Eine Berufsausbildung 4.0 muss die engen Bezüge zu betrieblichen Prozessen sicherstellen. Unerlässlich wird, die Aus- und Weiterbildung mit individuellen, interdisziplinären und betriebsspezifischen Zusatzqualifikationsangeboten zu verzahnen.

Die Arbeitgeber Baden-Württemberg unterstützen sowohl Projekte zur Förderung der digitalen Infrastruktur, wie zum Beispiel die Ausstattung der Beruflichen Schulen mit Tablets, als auch Projekte, die auf eine inhaltliche Strategie einzahlen, wie die Lernfabriken 4.0. Gerade das Programm Lernfabrik 4.0 des Landes bietet große Chancen und sollte daher evaluiert und unter Berücksichtigung der Ergebnisse weiter in die Fläche getragen werden.

Die Lernfabrik 4.0 eröffnet digitale Räume sowie Lernumgebungen und unterstützt eine bessere Zusammenarbeit der beiden Lernorte Schule und Betriebe. Solche digitalen Lernortkooperationen müssen in der dualen Berufsausbildung ausgebaut werden. Sie können auch für die gemeinsame Qualifizierung von Lehr- und Ausbildungspersonal genutzt werden.

Digitale Hochschule

Digitale Bildung: Hochschulen brauchen veränderte Didaktik, Curricula und Lehrorganisation.

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Digitale Lehre und neue Lerninhalte an Hochschulen notwendig

Auch muss der digitale Wandel breiter an den Hochschulen ankommen. Didaktik, Curricula und Lehrorganisation müssen weiterentwickelt werden, damit Studierende bestmöglich für das Arbeiten in Wirtschaft 4.0 ausgebildet werden. Die Ingenieurwissenschaften nehmen hierbei eine herausragende Rolle ein.

Weiterbildung im digitalen Wandel erfordert Lebenslanges Lernen

Im Bereich der Weiterbildung kommt dem Lebenslangen Lernen eine noch größere Bedeutung zu: Tätigkeiten werden sich wandeln oder zum Teil substituiert werden können durch Computer oder computergesteuerte Maschinen. Baden-Württemberg ist im bundesweiten Vergleich durch ein überdurchschnittliches Substituierungspotenzial gekennzeichnet (D: 15%, B-W: 17,4%). Am stärksten betroffen sind Helfer- und sogar bestimmte Fachkraftberufe.

Die Fachkräfte von morgen müssen Selbstverantwortung für das eigene Lernen übernehmen und bereit sein, sich kontinuierlich mit Veränderungen der Arbeitswelt auseinanderzusetzen. Sie müssen das gesamte Spektrum der verbalen und (medien-)technischen Kommunikation in den jeweiligen Arbeitssituationen passend einsetzen können.

Für die Weiterbildung 4.0 bedeutet dies, den „Lernraum 4.0“ inhaltlich und didaktisch zu beherrschen. Es wird darauf ankommen, die Weiterbildungsbedarfe frühzeitig zu erkennen und entsprechend fachliche, kognitive und soziale Kompetenzen zu entwickeln.

Grundsätzlich müssen im Fokus aller Aktivitäten die Chancen der Digitalisierung stehen und nicht Risiken. Gerade diesen Aspekt gilt es bei den Beschäftigten zu stärken. Denn Angst vor Veränderungen ist keine gute Basis für Motivation zur Weiterbildung.

Digitalisierung bietet wiederum wachsende Möglichkeiten für (Weiter-)Bildung: Neue didaktische und methodische Mittel, Verbreitungswege und Zugänge zum Wissen werden entstehen. Neben den klassischen internen bzw. externen Referenten können digitale Lern- und Lehrmethoden wie Lernsoftware, Video-Tutorials, Blended Learning (Kombination aus Präsenzveranstaltungen und E-Learning) sowie die sogenannten MOOCs (Massive Open Online Course) im Sinne einer schnelleren und effektiveren Reaktion auf die Bedarfe ebenfalls in Betracht gezogen werden.

Die Kosten für die notwendige Bildung sollten grundsätzlich von denjenigen übernommen werden, denen die Weiterbildung zu Gute kommt. Die staatliche Förderung, moderne Tarifpolitik sowie die betrieblichen Lernwelten sollten dabei ineinandergreifen.

Kein Bildungsanspruch bei Weiterbildung

Das Weißbuch „Arbeiten 4.0“ strebt perspektivisch ein Recht auf Weiterbildung an. Hier scheint ein Bundesbildungszeitgesetz (finanzierte Zeit für Weiterbildung) vorbereitet zu werden. Dies lehnen die Arbeitgeber Baden-Württemberg entschieden ab. Staatliche Planwirtschaft in der Weiterbildung wird nicht funktionieren und wird zwangsläufig an den Bedarfen der Unternehmen vorbeizielen.

Zudem investiert die Wirtschaft schon heute umfangreich in die berufliche Qualifizierung und Weiterbildung der Beschäftigten (33,5 Mrd. Euro jährlich bundesweit, in Baden-Württemberg rund vier Mrd. Euro). Bereits beim Bildungszeitgesetz in Baden-Württemberg (BzG BW) wurde das verkannt, der Bildungsanspruch wurde unnötig in die falsche Richtung ausgeweitet. Diesen Fehler gilt es zu beseitigen, statt noch ein Bundesgesetz auf den Weg zu bringen.

Das klare Bekenntnis des Weißbuches zu Teilqualifizierungen oder noch niedrigschwelligeren Angeboten für Geringqualifizierte als Option der Arbeitsmarktförderung begrüßen die Arbeitgeber Baden-Württemberg dagegen sehr.