Digitalisierungsstrategie des Landes bleibt bei Bildung weit hinter Erfordernissen zurück

Erstellt am: 09/05/2017

Die Arbeitgeber Baden-Württemberg unterstützen die Forderung des Städtetags nach einer stärkeren finanziellen Beteiligung des Landes an der Digitalisierung der Schulen.

„Um den digitalen Wandel erfolgreich gestalten zu können, ist eine angemessene digitale Ausstattung der Schulen Grundvoraussetzung“, sagte Landesarbeitgeberpräsident Dr. Rainer Dulger am Dienstag in Stuttgart: „Hier braucht es eine klare Landesstrategie, die sich nicht abhängig macht von wackeligen Milliardenversprechen des Bundes.“

Dulger kritisierte, dass die vor der Sommerpause vorgestellte Digitalisierungsstrategie des Landes, „digital@bw“, gerade im Bereich der digitalen Bildung weit hinter den tatsächlichen Erfordernissen zurückbleibe: „Es werden zwar viele sinnvolle Einzelpunkte beschrieben. Doch vieles wurde bereits von der Vorgängerregierung angestoßen oder ist alter Wein in neuen Schläuchen.“ Als Beispiel nannte er die flächendeckende Einführung von Informatikunterricht an allen weiterführenden Schulen, die schon mit dem Koalitionsvertrag 2016 angekündigt wurde, in diesem Jahr aus Geldmangel jedoch nur an Gymnasien realisiert wird. „In der Strategie fehlen jedoch neue Impulse. Vor allem werden aber kaum konkrete Mittel im Landeshaushalt hinterlegt, um diese Projekte realisieren zu können.“

Der Städtetag beziffert allein die Kosten für die Vollvernetzung und die mediale Grundausstattung der Schulen auf rund 1,8 Milliarden Euro. Dem stehen in den Planungen für den Landeshaushalt 2017/18 gerade einmal gut 100 Millionen Euro jährlich für den Breitbandausbau gegenüber – im ganzen Land, nicht nur an den Schulen. „Das ist deutlich zu wenig“, kritisierte der Arbeitgeberpräsident: „Das Land muss die Städte und Gemeinden bei der Schuldigitalisierung finanziell stärker unterstützen – zumal es ja mit dem neuen Bildungsplan selbst konkrete Anforderung an die digitale Ausstattung der Schulen stellt.“

Aus Sicht der Arbeitgeberverbände wäre es auch fahrlässig, bei der Digitalisierung der Schulen zunächst auf den „Digitalisierungspakt“ zu warten, mit dem Bundesbildungsministerin Wanka den Ländern eine finanzielle Unterstützung in Höhe von fünf Milliarden Euro in Aussicht gestellt hat. Noch sei völlig unklar, ob und wann der Pakt komme – und mit welcher Ausstattung. Doch selbst, wenn der Bund das Geld locker machen sollte, dürfte dies den Kommunen kaum vor 2020 zur Verfügung stehen, warnte Dulger: „Umso dringender ist es, dass das Land schon früher Mittel für eine Anschubfinanzierung bereitstellt. Eine schlüssige Digitalisierungsstrategie erfordert eine Schwerpunktsetzung bei Bildung, Ausbildung und Qualifizierung. Hier erwarten wir eine klare Kante der grün-schwarzen Landesregierung und des Ministerpräsidenten.“ Dabei dürfe auch der wichtige Aspekt der Qualifizierung und Weiterbildung der Lehrkräfte nicht vernachlässigt werden, forderte der Arbeitgeberpräsident: „Denn die beste digitale Ausstattung nützt nichts, wenn sie nicht sinnvoll im Unterricht eingesetzt werden kann.

Welche Veränderungen ruft die Digitalisierung hervor - in der Arbeitswelt, aber auch in der Bildung? Was muss geschehen, um sie erfolgreich zu bewältigen? Dazu haben die Arbeitgeber Baden-Württemberg ein Web-Special zur digitalen Arbeitswelt veröffentlicht - ein Schwerpunktthema ist Bildung 4.0. Die Position der Arbeitgeberverbände: Bildung 4.0