Dick: Ohne schlüssiges Gesamtkonzept bleiben Reformen nur Stückwerk


STUTTGART – Die Arbeitgeber Baden-Württemberg erwarten von der Landesregierung ein schlüssiges Gesamtkonzept für die Neuausrichtung des Bildungs- und Schulsystems im Südwesten. „Die Regierung hat bisher zwar viele Dinge angestoßen, doch wenn sie keine klaren Prioritäten setzt, wird das alles nur Stückwerk bleiben“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung Baden-Württembergischer Arbeitgeberverbände, Peer-Michael Dick, am Montag in Stuttgart. Um den Fachkräftenachwuchs zu sichern, sei die Fortentwicklung der Schullandschaft eine Standortfrage mit höchster Priorität. „Eine reine Veränderung der Schulstruktur wird aber noch kein Problem lösen“, betonte Dick mit Blick auf die neue Gemeinschaftsschule. Für ein schlüssiges Gesamtkonzept müsse das Land vor allem in fünf Punkten aktiv werden:

1. Die Entwicklung eines qualitativ hochwertigen pädagogischen Konzepts, das neben der Kompetenzorientierung und den richtigen Lerninhalten auch einen vernünftigen Umgang mit knappen Zeit- und Geldressourcen ermöglicht,
2. die grundlegende Neuausrichtung der Lehrerausbildung, um die Lehrkräfte auf die neuen pädagogischen Herausforderungen, etwa die individuelle Förderung, vorzubereiten,
3. die Veränderung von Rahmenbedingungen für eine größere Selbstständigkeit der Schulen, die Budget- und Personalverantwortung umfasst sowie eine regionale Differenzierung erlaubt,
4. die bessere Verankerung der Berufsorientierung, gerade auch in den neuen Gemeinschaftsschulen, und
5. die Vorlage eines Schulentwicklungsplans für das ganze Land, der alle Schulformen einbindet und die Folgen des demografischen Wandels berücksichtigt.

„Ein schlüssiges Schulkonzept mit klaren Schwerpunkten kann auch dazu beitragen, teure Parallelstrukturen zu vermeiden und so den Landeshaushalt zu entlasten“, sagte Dick. Schließlich habe Ministerpräsident Kretschmann angekündigt, in diesem Jahr keine neuen Schulden machen zu wollen. Kostspielige Experimente wie etwa die Wiedereinführung von neunjährigen Zügen an allgemeinbildenden Gymnasien seien hier der falsche Weg.

Die Arbeitgeber würden die Schulreformen und die Einführung der Gemeinschaftsschule konstruktiv und kritisch begleiten. Dazu erwarten sie von der Landesregierung eine transparente Informationspolitik über die weitere Entwicklung im Schul- und Bildungsbereich.